Global State of Scams Report

Beim Global Anti Scam Summit am 9. und 10. November 2022 im The Hague Security Delta Campus wurde der diesjährige Global State of Scams Report offiziell vorgestellt.

Im Report wird versucht die verschiedenen Missbrauchsarten – von denen Missbrauch beim Online-Shopping nur ein Teil ist – bezüglich des monetären Verlusts und der globalen Entwicklung einzuschätzen:


Scammers have proven more successful in 2021 than ever before. The number of scams
reported increased with 10.2% from 266 in 2020 to 293 million reports in 2021. The amount of money lost in scams grew from with 15,7% from $47.8 billion in 2020 to $ 55.3 billion in 2021, mainly due to the rise in Investment Scams (also read: About the Data).
Scammers are using any crises to scam people; moving from preordering your Coronavirus
vaccination in the beginning of 2021, to cheap flight tickets for Hajj pilgrims, “supporting”
victims of the Australian bush fires, “helping” Ukrainian refugees and more recently, tickets to Queen Elizabeth’s funeral memorial and energy crisis government subsidies.

Auf Seite 33 des Reports wird das Forschungsprojekt INSPECTION in einem Interview mit Joachim Feist von der mindUp Web + Intelligence GmbH besprochen:

What can you tell about Project INSPECTION?
The research project INSPECTION finds hacked web pages whose resources are being misused to redirect users into fake online shops.
What advantage do these website hackers hope to gain?
By hacking existing domains, the fraudster takes advantage of the reach that has grown over the years, the good search engine ranking, and the positive reputation of the hacked site. Even if there is no thematic match between the fake store and the so called hacked host site, the attacker can place ten thousand thematic pages of his fake store in the search engine index overnight, generating a high number of web visits.
Which websites are particularly often the target of such attacks?
Very small website operators are often targeted. The victims are therefore mainly associations, freelancers or self employed people, for example from the craft sector. But also private individuals. Security gaps often exist because the operators see their websites as a one off investment, they do not keep the site secured.
Why can fake stores become so widespread on the Internet?
The hackers know: The risk of prosecution is low. In most cases, the servers used for the crimes are located outside of Germany and Europe, making it difficult to identify and apprehend the criminals in this country.
Our attempts to refer fake stores to law enforcement agencies, Internet registrars, or consumer protection for closure in order to stop them have also failed. Our current legal regulations can do little against cybercriminals operating internationally. Moreover, it is difficult to adequately inform operators of an attack that has taken place, because an e mail of a hacked site is usually not read. Even if you can contact the site owner, in most cases, those affected cannot act quickly enough due to a lack of IT expertise.
How will INSPECTION help in the future?
The focus of our idea is, on the one hand, the detection of hacked sites and, on the other hand, the targeted, largely automated and early warning of the operators of the hacked sites. After all, mere detection remains useless if there are no measures to remedy the problem.

In den zwei Tagen der hybriden Konferenz wurden in vielen Vorträgen, Panels und Workshops mit Teilnehmern aus sehr vielen Ländern die verschiedensten Aspekte angesprochen. Einige Vorträge waren auch im Umfeld von Fake-Angeboten im Online-Shopping.

Louise Beltzung von der Watchlist Internet berichtete dabei über ein Awareness-Projekt aus Österreich: Unter blackout-kits.at erreicht man einen Online-Shop, der bei genauerem Hinsehen einige Mängel bezüglich Impressum, zu günstiger Preise und seltsamen Deutsch in den Rücksendebedingungen hat. Bestellt man trotzdem hat man Glück – man wird lediglich gewarnt, dass dies genauso ein Fake-Shop hätte sein können.

Von Amazon war Abigail Bishop gekommen, um zu berichten, welche Maßnahmen der E-Commerce Gigant ergreift, um zu verhindern, dass Verbraucher auf der Plattform betrogen werden.

In Dänemark erfordert die Registrierung einer Domänen, dass man sich ausweist. Über die positiven Auswirkungen dieser Regelung berichtete Jakob Bring Truelsen, CEO von Hostmaster, Domain-Registry in Dänemark.

Die jährlich stattfindende Konferenz stellt einen wichtigen Beitrag dar, das Ausmaß von Missbrauch zu beziffern und sich über Maßnahmen auszutauschen.

INSPECTION bei SWSD 2022 vorgestellt

Am 27.10.2022 stellte Anne Hennig das Forschungsprojekt INSPECTION beim Swiss Web Security Day 2022 vor. Diese eintägige Veranstaltung wird jährlich veranstaltet von der Swiss Internet Security Alliance SISA  und der Swiss ICT Industry Association Swico . Behandelt werden aktuelle technische, rechtliche und regulatorische Fragen im Umfeld der Domänenregistrierung und des Webhosting. Dabei spielen auch Sicherheitsthemen eine große Rolle. Ziel des INSPECTION Projekts ist es, das deutschsprachige Internet automatisiert mit Methoden der Künstlichen Intelligenz nach gehackten Websites zu durchsuchen. Weiterhin werden Methoden entwickelt, betroffene Websites effektiv zu informieren und Website-Besitzer:innen Materialien an die Hand zu geben, den Schaden zu beheben und sich vor zukünftigen Angriffen zu schützen.

Im Fokus des Vortrags stand dabei die Information der Betroffenen: Die SECUSO-Gruppe (Security • Usability • Society) des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) erforscht im Projekt, wie und über welche Kanäle am besten Betreiber einer Webseite über eine aufgetretene Hackingproblematik informiert werden können. Getestet werden als Versender der Nachricht Hoster, Behörden und die Universität selbst. Wichtig für die Adressaten ist es, die Nachricht selbst verifizieren zu können. Es werden verschiedene Botschaften getestet, die Empfänger:innen nahebringen sollen, dass gehandelt werden muss.

Weitere Informationen unter https://swsd2022.events.switch.ch/

Das Video des Vortrags findet sich hier:

Your webpage has been hacked – how to effectively inform the webpage owners?

(Bild: Franziska Hutter – Switch)

Sicher einkaufen im Internet

Ein Podcast-Beitrag der Verbraucherzentrale informiert Verbraucher, wie Sie möglichst nicht in die Fallen der Fake Shops geraten.

In diesem Zusammenhang erläutert auch Joachim Feist von der mindUp Web + Intelligence GmbH die Motivation und Problematik der gehackten Webseiten wie sie bei INSPECTION im Mittelpunkt stehen (ca. Minute 9:48 – 11:48) und deren Bezug zu Fake-Shops:

Dorian Lötzer: […]Fakeshop ist nicht gleich Fakeshop. Und man kann auch nicht einfach irgendeine Seite ins Internet stellen, die Füße hochlegen und quasi darauf warten, dass das Geld einfach so einfließt. Aber da, wo es Geld gibt, gibt es auch einen „Markt“. Und über den wollte ich mehr erfahren.

Joachim Feist: […] Was man eben auch feststellen muss ist, dass dieses Fakeshop-Treiben tatsächlich zugenommen hat. Zum einen sagt man, das ist vielleicht sogar heute schon vom organisierten Verbrechen genutzt, da es eigentlich eine Betrugsform ist, die deutlich risikoloser ist, als Drogen zu verkaufen.

Dorian Lötzer: Diese Erkenntnis ist wichtig. Denn die Vermutung liegt bei Fakeshops oft nahe, dass es um Einzeltäter in irgendwelchen Keller geht. Und dann vernachlässigt man das Problem eher. In der Realität sind viele Betreiber:innen solcher Fakeshops höchst professionell geworden, Teils mit firmenähnlichen Strukturen. Und diese Professionalität spiegelt sich auch in deren Strategien wieder.

Teilweise haben Fakeshops nämlich ein wirklich gutes Verständnis vom Markt. Wenn gerade Grafikkarten für Computer schwierig zu kriegen sind, richten sie sich darauf aus. Wenn Sneaker oder Spielekonsolen begehrt sind, dann darauf. Je höher der Wunsch der Opfer ist, an ihr Produkt zu kommen, desto leichter haben es Fakeshops.

Joachim Feist: Man muss schon sagen, dass diese Fakeshop-Betreiber sehr kreativ sind und auf der anderen Seite sehen wir auch zunehmend kriminelle Machenschaften. Das heißt, ein Fake-Betreiber hat ja eigentlich das gleiche Problem wie ein normaler Onlineshop. Er stellt seinen Fakeshop jetzt online und niemand kennt den. Es wird auch niemanden geben, der sagt, „Oh, ich hab‘ kürzlich in diesem schönen neuen Shop eingekauft, das lief alles zu meiner Zufriedenheit.“ Das fällt bei ihm auch weg. Und das heißt für ihn, er muss vielleicht Werbung schalten, das ist aber natürlich auch riskant, weil er dann eben bei diesen Stellen, bei denen er Werbung schaltet, auch wieder mit gefälschten Kontenangaben arbeiten oder seine Adressdaten angeben muss.

Tatsächlich haben wir jetzt vor ungefähr vier bis fünf Jahren festgestellt, dass Fake Shops auch hingehen […] und Drittseiten hacken. Das heißt, um in die Suchmaschinen hinein zu kommen, hängen sie sich unter normale .de-Adressen mit ihren Inhalten. Und Verbraucher sehen dann plötzlich eine ganz normale deutschsprachige Domäne in der Suchmaschine, die plötzlich mit ihren Unterseiten für diesen Fakeshop sichtbar wird.

Die Webseite bleibt von vorne her ganz normal. Das heißt dann auch, wenn wir Seitenbetreiber darauf ansprechen, dass sie gehackt wurden, sagen die: „meine Seite sieht doch aus wie immer. Da ist doch alles normal, da gibt es doch kein Problem“, aber aus der Suchmaschine kommend ist es dann eben so, dass dieser Klick dann weitergeleitet wird zum Fakeshop.

Dorian Lötzer: Fakeshops sind mittlerweile also extrem professionalisiert. Sie nutzen nicht nur die Algorithmen von Suchmaschinen gezielt aus, um mit ihrer Werbung ganz oben zu erscheinen, sondern hacken sich mitunter auch in andere Websites ein, um von deren Kundenvertrauen zu profitieren. Je nachdem, von welcher Art von Shop wir sprechen, sind die Zeiten auch vorbei, in denen man noch auf den ersten Blick erkennen konnte, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt. Es wird immer schwieriger, unseriöse Läden im Internet schnell ausfindig zu machen.

[…]